Эмиграция и возрождение в России в 1764-1855 г. – 12 ч. (рукопись 200-летней давности – 2-я часть) (30.09.2018)


Anton Schneider

 

Denkschrift über den Ansiedlungszustand der Einwanderer und die Geschlechterlinie unserer Stammfamilien in Russland als wie auch über die merkwürdigsten Begebenheiten und Ereignisse in und außerhalb unserer Familien von dieser Zeit bis auf gegenwärtige Zeit 1764 - 1770

(ein über 200 Jahre altes Manuskript)

 

Zweiter Teil

 

Ins Russische wurde es zum ersten Mal übersetzt von Antonina Schneider-Stremjakowa

 

Zustand der jetzigen Geistlichen

 

Nach der Abreise des H[errn] Paters Jatzkowsky wurde die entledigte Stelle des Superiors durch den H[errn] Pater Josephus Tulzewitsch besetzt. Ein Mann von einem Selbstgeständnis, erklärte er sich als unfähig, die Stelle als Superior zu bekleiden und lehnte dieselbe also von sich ab und übernahm das Kirchspiel der Kolonie Semenowka an, und Pater Vinzenzius Snarsky ward hierauf Superior, der noch bis heute als Primas fungiert.

Die Verwaltung desselben, wie im Anfange und bis jetzt den Ansichten nach bei den Menschen in den niedrigsten Anwendungen, indem er weder auf Recht und auf Unrecht seiner untergeordneten Geistlichen denkt, ohne den Bedürfnissen seines untergegebenen Christenvolkes bei derlei Unzufriedenheit etwaiger Streitsachen eine betreffende Unterstützung zu geben. Einzeln und in kurzer Betrachtung zeigt er sich bei vorfallenden Beschwerden schmeichelnd, gewährt dem Bittenden einiges Zutrauen zu schenken, nachdem aber etwas wirkliches einzuteilen ist, bleibst es im Hintergrunde liegen, bis endlich das Maß gerüttelt voll überläuft und zu schwergewichtig wird und demnach an den Stein der Ärgernis anstoßet. Mehreres zu schreiben will ich in Abrede lassen und insgesamt Bezug nehmen, wie es in gegenwärtiger Zeit mit uns steht, die jetzigen Geistlichen betreffend.

Über den Zustand der jetzigen Geistlichen, einige ausgenommen, mich deutlich auszusprechen, so mangelt es uns doch bis jetzt nicht an Geistlichen, aber doch nur haben wir sie leider so, daß es etwas besser ist, als hätten wir keine. Doch wir die Hoffnung dem Todkranken und Sterbenden, wird ihm die letzte Stunde ruhiger und gefaßter, um hinüberschlummern zu können in die endlose Ewigkeit, wenn er die letzten Mitteilungen erhalten kann? Dem Sterbenden aber an der Seite zu stehen, bis ihn der letzte Hauch ergreift, um ihm mit Zureden, Tröstungen und Einsprechungen die Türe zur Ewigkeit zu eröffnen, so finde ich unter allen nicht einen, der sich hierzu als wirklicher Seelenhirt befleißigt hätte. Den Gesunden pflegen sie zwar, dem Genuß des täglichen Meßopfers in vereinigter Gegenwart beizuwohnen, der teuer bezahlt wird, ohne dieses würde es auch sicher ganz unterbleiben. Was das Stimmliche betrifft, so finden wir einen fast unbeschreiblichen Eigennutz, welcher sich dem Geize ergibt, der zu mannigfaltigem großem Übel sowohl über ihren eigenen Zustand als über die Gesellschaft der Menschen hinführt, den dieses erstickt bei ihnen das Wohlwollen der Menschen, macht sie gegen die Vollkommenheit gleichgültig verleitet sie zu Widerwillen und anderen Mißhelligkeiten. Eine ängstliche Sorge, mehr für das Zeitliche als für das Ewige, naget in ihnen, und dieses setzt sie außerstande, so daß bei den Menschen keine große Achtung und Ehre zu finden ist.

Ich kann mich nicht genug wundern, warum doch unsere lieben H[erren] Paters so ängstlich nach dem Besitze des Geldes ringen und so zitternd danach streben, da es doch nicht ewig dauernd und bleibend ist. Und das, obzwar sie gelehrte und studierte Leute sind. Die Blume der Schönheit verwelkt in der steigenden Kälte des Alters wie das Gras auf dem Felde, Reichtum, Ehre, Schimmer und Hoheit des Standes verbleichen wie die Sonne hinter den trüben Wolken, und alles versiegt wie die Quelle im sandigen Grunde. Sollen diese Gedanken der Nichtigkeit und Vergänglichkeit alles Irdischen unsere H[erren] Paters nicht zu Herzen führen und mit desto größerem Eifer für alles das sorgen, was das ewig-dauernde Heil ihrer untergegebenen Schäflein betrifft? Nüchtern und mäßig im Genusse des Irdischen zu sein, damit sie das hohe Ziel, zu welchem Gott die eifrige Güte durch Jesum Christum als Nachfolger berufen hat, nicht verlieren.

Wie arm und gedrängt wir in der Zeit von 35 Jahren seit der Entfernung der Jesuiten hier leben müssen und daß, wie es scheint, auf keine Hilfe zu hoffen ist, ist unverkennbar. Zwar hoffen wir auf den H[errn] Bischof der neuerrichteten Diöcese Tiraspol, Ferdinand Kahn, daß er seine apostolische Wirksamkeit auf uns deutsche Katholiken verwenden wird, aber wie es scheint, so ist auch da auf keine besondere Hilfe zu hoffen, obgleich er von Geburt ein Deutscher ist.

Desgleichen hoffen wir, als im Jahre 1849, den 4-ten Juli, Se[ine] Eminenz, der Herr Bischof Ignatius Holowinsky, die Saratowschen Kolonien bereiste und den Zustand der hiesigen Katholiken in Augenschein genommen, es würde etwas Besseres in der Folge hervorkommen. Freilich waren die H[erren] Paters durch seine bloße Ankunft nicht wenig erschrocken, und seine geistliche Ermahnung, die er denselben insgeheim durch seine mündliche und persönliche Gegenwart mit Ernst und Nachdruck gab, sollte sie doch in vielem gebessert haben, aber er blieb so wie es war und wie es ist; bloß seine Gegenwart machte sie etwas schüchtern, und nach seiner Abwesenheit blieb bloß das Andenken übrig. Sie sahen ihm lieber auf den Rücken als ins Angesicht.

Doch hatten wir das große Glück, welches unsere Väter nicht erlebt hatten, einen rechtmäßig gewehten Bischof in unseren niedrigen Hütten zu sehen, der unermüdet mit dem größten Eifer den noch nicht gefirmten neugeborenen Nachkömmlingen von der Jesuitenzeit unterm größten Gedränge der Menschheit die heilige Firmung erteilt und ausgespendet hat.

Unsere hochlöbliche steinerne Kirche hat er ebenfals konsekriert und mit allen erforderlichen Ceremonien förmlich nach dem Rito der katholischen Kirche zum wahren Tempel Gottes eingeweihet. Diese heilige und tröstliche Ceremonie, bei all der Feierlichkeit und dem abgehaltenen Gottesdienste, gab allen Anwesenden übernatürlichen Trost und Freude und wird al seine heilige Handlung lebenslang nicht aus dem Gedächtnisse entkommen. Wir werden sie mit Ehrfurcht und heiligem Schauer in uns aufbewahren. O könnten wir öfters die Gnade haben, einen römisch-katholischen Bischof in bischöflicher Ankleidung zu sehen!

( Fortsetzung folgt)

 

 

 

Антон Шнайдер

 

 

Памятная записка о состоянии поселений иммигрантов, о родословной нашего корня в России, а также о важнейших событиях внутри и вне нашей семьи с тех лет и по настоящее время 1764 – 1770

(рукопись 200-летней давности)

 

Часть вторая

 

На русский переведено впервые. Перевод Антонины Шнайдер-Стремяковой.

 

Положение священников сегодня

 

После отъезда отца Ятцковского освободившуюся должность занял отец Ёзефус Тульцевич. Но, как честный человек, он объявил себя вскоре к ней неспособным, оставил её и принял приход в Семёновке. Настоятелем стал отец Винценциус Снарский, который служит у нас и по сей день.

С самого начала и до сего дня его управление, по мнению тех, кто к нему обращался, не отличалось заботой о справедливостях, несправедливостях и нуждах вверенной ему паствы, он не был способен оказать поддержку при разногласиях. Во время затруднений он вёл себя вкрадчиво (льстиво), сочувствовал, после чего, действительно, что-то инициировал, но, когда потрясения становились камнем преткновения и начинали зашкаливать, он дело спускал на тормоза. Более об этом писать не хочется, рассмотрим, что отличает священников сегодня.

Недостатка в священниках мы сегодня не испытываем, и это лучше, чем если бы их не было вовсе, но получают ли смертельно больные и умирающие надежду и последнюю весть о покое, прежде чем покинуть земную обитель? Я таких священников не знаю, нет среди них духовника, который стоял бы у постели умирающего в ожидании последнего вздоха и разговаривал, утешал, пока для несчастного не откроются врата Вечности. Обслуживают они ещё и здоровых; эти удовольствия перемежаются с ежедневными жертвами и очищающим присутствием, услуги оплачиваются дорого, иначе бы всё заглохло. Если говорить о духовности, царит корысть, жадность, которые невозможно описать. Причиной пороков является, скорее, не общество, а добрая воля каждого; она делает человека равнодушным и отрицает совершенство. Для священников характерна забота по-английски: больше для мгновений, нежели для вечности. Это гложет, съедает, делает их ни на что не годными, поэтому люди теряют чувство меры и честь.

Я не перестаю удивляться, отчего наши дорогие отцы так жадны к деньгам, которые тленны и у которых нет Вечности. И это несмотря на то, что отцы учёны и высоко образованны. Красота цветов меркнет в вечном холоде; старость напоминает высохшую в поле траву; богатство, честь, блеск и высоты, как солнце, что закрыто облаками. Всё исчезает, как в пустыне источник. Неужто заботы ни о чём – это заботы о сердцах паствы и о вечно живом их духе? На голодный желудок и в воздержаниях отцы не должны терять в земных радостях ту высокую цель, следовать которой призывал Господь именем распятого Иисуса Христа.

35 лет живём мы бедно и обездоленно со времени, как не стало иезуитов, и ждать помощи, очевидно, неоткуда. Мы надеемся, что на католиков обратит внимание Бишов, недавно созданная диакония Тирасполя, а также апостольство Фердинанда Кана, но, похоже, особо рассчитывать на его помощь не приходится, хоть он и немец по рождению.

Надеемся также, что 4 июля 1849 года епископ господин Бишов Игнатиус Головинский посетит Саратовские колонии, чтобы проверить положение католических приходов – такое иногда случается. Его приезд напугал святых отцов. Они серьёзно внимали духовным и личным увещеваниям, – многое оставляло желать лучшего, – но изменений не произошло из-за вялости и нерешительности священников. После отъезда Бишова в народе осталась одна лишь память – святым отцам было приятней смотреть ему в спину, нежели в лицо.

Но мы имели счастье видеть в своих убогих хижинах живого епископа Бишова. Он с огромным старанием при большом стечении народа совершил таинство конфирмации потомков, которые не знали конфирмации со времён иезуитов, – такого счастья у наших отцов не было.

Наша кирпичная церковь была освящена, как и положено, в храм по всем предусмотренным правилам. Святые службы и церемониальные праздники утешали, заряжали сверхъестественным счастьем и отрадой. Мы с благоговением и трепетом сохраним их в нашей памяти. О, как хотелось бы нам чаще удостаиваться милости римско-католического Бишова и Бишовского платья!

(продолжение следует)

 

 

 

 



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