История «киргиза» Михаила и красавицы Ами из Мариенталя (окончание) (31.07.2015)

Антон Шнайдер – Anton Schneider

 

 

„Geschichte vom Kirgiesenmichel und der schön‘ Ammi von Mariental“ (Beendigung)

Erstmals ins Russische übersetzt von Antonina Schneider-Stremjakowa

Erstmals in Lateinische Schrift umgeschrieben von Konstantin Ehrlich

II

 

Eine große Menge Menschen war auf dem Karamanberge bei Marienthal versammelt. Man hatte einen langen Zug von Reitern und Wagen von der Metschetnaja her sich dem Dorfenähern sehen und auch bald erfahren, wer es eigentlich sei. – Da war auch Niemand mehr zu halten. ZU Fuß und zu Pferde, wie ein Jeder es grade vermochte, lief man den schon verloren Geglaubten entgegen, da gab‘s manch herzlichen Händedruck, da gab’s manche fröhliche Umarmung, da gab’s Thränen der Freude, die nur Der kennt und gezählt hat, der die Geschicke der Menschen in seiner Hand hat und sie lenkt nach seinem Wohlgefallen. Aber auch manche Schmerzensthräne – bittere, herbe Thränen flossen hier auf’s neue, denn Viele, die aus Marienthal fortgeführt worden waren, kehrten nicht mehr zurück, sie schlummerten den ewigen Schlaf auf weiter Steppe; mancher Gatte erhielt zwar sein treues Eheweib wieder, sein Kind aber war mit durchbohrtem Herzen den Steppengeiern zum Fraß hingeschleudert worden und auf freiem Felde bleichten dessen Gebeine! Wer ist aber jenes kleine hübsche Mädchen, das dort am Wege sitzt und so herzzerreißende bittere Thränen weint? Der Major bemerkte sie, tritt freundlich zu ihr heran und fragt nach dem Grunde ihrer Trauer. „Herr Soldat“, spricht sie zu ihm, „könnt Ihr mir den Hannmichel nicht geben? Könnt Ihr mir nicht sagen, wo er geblieben ist? Ist er auch todt, oder haben ihn die wilden Menschen mit sich fortgeschleppt?“ Rathlos sieht sich der Major um und läßt nachfragen, ob der Hannmichel unter den Gefangenen sich befinde, und als er verneinende Antwort bekommt und Niemand den Burschen seit dem letzten Nachtlager an der Metschetnaja gesehen haben will, da sinkt die kleine Ammi wieder zusammen und will in Thränen zerfließen; der Orthmann’s Görgfried nimmt sein Kind zu sich in seinen Wagen, er spricht ihm allerlei schöne Trostworte zu und es will doch Alles nichts fruchten. Das waren traurige Tage und Nächte für die kleine Ammi, wie viel derselben sie aber durchweint hat – wer hat das gezählt?

Schreckliche Stürme toben mitunter arg in der Natur sowohl als im Menschenherzen, wenn aber etliche Zeit vorübergegangen ist, erkennen wir äußerlich kaum noch ihre Spuren; das gewöhnliche Alltagsleben läßt uns das Außergewöhnliche, und mag es auch noch so furchtbar gewesen sein, bald vergessen. Durch die schützende Fürsorge der russischen Regierung ward für sie nächste und für alle Zeit derlei blutigen Raubzügen vorgebeugt, die neuangelegte uralische Linie stellte die Wiesenseite sicher von den Einfällen der Nomaden; die Männer von Marienthal erhielten von dem Major jeder seine Pferde, sein Vieh und die ihm geraubte Habe wieder; mit dem Verlust dessen, was sich nicht ersetzen ließ, söhnte man sich aus. Fleiß und gute Ordnung erhoben sowоhl diese wie auch die Nachbar-Kolonien bald zu gedeihlichem Wohlstand, die entsetzliche Kirgieserperiode war bald, wie vieles Andere auch, im Meer der Vergessenheit begraben, und nur Diejenigen, die damals selbst die Opfer gewesen waren, konnten das Bild jener Zeit bis an ihre Todesstunde vor ihren Augen nicht verschwinden sehen.

II

Zwölf Jahre sind eine lange Zeit im Menschenleben. Da kann Manches anderswerden, Manches aufgetaucht sein, das früher nicht da war. Manchem kann auch die lange Zeit recht kurz geworden sein. Wer keine Sorgen hat und keine Noth, an dessen Thür Trübsal und Schmerzen vorübergehen, ohne auch nur leise anzuklopfen, der wundert sich, daß abermals zwölf Jahre vergangen sind, und er hat es kaum gemerkt. Wo aber ein verborgener Wurm am Herzen nagt, wo der Kummer sich Abends mit uns zu Bette legt und Morgens aufsteht: da haben zwölf Jahre eine lange Geschichte, die läßt sich sobald nicht auserzählen, als wohl Der oder Jener meinen dürfte.

Über das Dörflein Marienthal am lieblichen Karamanflusse waren auch schon seit der letztberichteten Schreckenszeit zwölf Jahre dahingegangen. Thun wir einen Blick hinein und sehen zu, was die zwölf Jahre hier gebracht haben. Aus dem armseligen Dörflein ist ein stattliches Dorf geworden, stolze, hohe Windmühlen prangen auf den Höhen, ein großer Theil der ärmlichen Lehmhütten ist geschwunden und hat wohlichen, hübschen Holzgebäuden Platz gemacht. Dazwischen grünt manch üppiger Äpfelgarten in jugendlicher Kraft und schöne, wohlgenährte Pferde, die man hie und da vor einen leichten Leiterwagen gespannt sieht, geben Zeugnis von der Wohltätigkeit ihrer Besitzer. Der dichte Wald, der die Ufer des Flusses früher überkleidete, ist schon sehr gelichtet, - er dürfte in keinem jetzigen Zustande wohl schwerlich dazu geeignet sein, einem spähenden Kirgisenauge gegenüber als Schlüpfwinkel zu dienen; die Eiche vor des ehemaligen Gerichtsmannes Orthmann Hause steht aber noch schöner da, denn je zuvor, sie ist dichter, stämmiger und höher geworden. Aber auch des Görgfried Wirtschaft selbst bietet ein ganz anderes Bild, - ein neues stolzes Wohnhaus hat neben dem alten Platz genommen, diese aber hat sich zum Nebengebäude hergeben müssen, die Lehmwände sind sämmtlich verschwunden, hier guckt, um mit dem Kolonisten zu sprechen, der Geldsack zu allen Fenstern naus. – Und was ist aus dem alten Pferdehirten ärmlichen Hause geworden? Der Bewohner desselben ist schon längst hinübergegangen, der Gram um seinen verloren gegangenen Sohn hat viel beigetragen zur Verkürzungseiner Tage, Verwandte hat er sonst keine gehabt, - und so hat denn des Nachbars Ammi nebst seinem Segen die geringe Wirtschaft geerbt. Wie sie dieselbe übernommen hat, hat sie sie auch stehen lassen und es hat nichts daran geändert werden dürfen, trotzdem, daß die elende Baracke daneben dem alten Orthmann schon lange ein Dorn im Auge ist und er auf den Platz derselben gern ein anderes Gebäude hingestellt hätte. Es ist kindliche Pietät gegen den entschlafenen Tabunenhirten, die dem alten Lehmhaus seinen Platz sichert. Zudem war ja auch der Hannmichel in demselben geboren.

Orthmann’s Ammi ist zur stattlichen Maid herangewachsen, schon über die ersten Jugendjahre hinaus. – Seit mehr denn fünf Jahren gilt sie als das schönste Mädchen weit und breit und da es wohl bekannt war, wie viel der alte Orthmann seinem „Mädel“ mitgeben könne und auch wolle, hat „Schön Ammi von Marienthal“ über Mangel an Freiern sich nicht zu beklagen gehabt. Nicht nur aus Marienthal, auch aus den Nachbar-Kolonien, aus Schulz, aus Schäfer, aus Herzog, Graf und Louis, ja noch weiter her, aus dem volkreichen Katharinenstadt sind die besten und bravsten ledigen jungen Burschen nach Marienthal herübergekommen, und die reputirlichsten Freiersmänner sind dem alten Orthmann in’s Haus gegangen, um daselbst sich die Erlaubnis zum Suchen nach „der verloren gegangenen rothen Kuh“ zuholen; der alte Orthmann hat mitunter beifällig dazu gelächelt und sich mit allerlei herrlichen Plänen und Hoffnungen herumgetragen: Schön-Ammi hat ihm aber jederzeit einen

Strich durch die Rechnung gemacht und durch ihr beharrliches Nein alle seine Luftschlösser auf den Kopf gestellt. – Siekonnte sich nun einmal der steten Gedanken an den Gespielen ihrer Jugendtage nicht erwehren, der Hannmichel schwebte ihr Tag und Nacht vor Augen, wie er so tapfer und männlich in ihrem Interesse sich gegen die unmenschlichen Wilden gewehrt; - sein Bild, wie er blutend und zerschlagen von ihnen fortgeschleppt, vielleicht getödtet ward, schwand nicht aus ihrer Seele, sie konnte nun einmal keinen andern Burschen lieb gewinnen, und möchte es auch der bravste sein. – Hatte sie wieder einmal so recht herzinniglich des Jugendfreundes gedacht, und hinwiederum auch des Schmerzes und Leides, das sie ihrem geliebten Vater durch ihre stete Weigerung zum Eingehen einer vortheilhaften Heirath bereiten mußte, so ging sie heimlich in des verstorbenen Peterhannes Lehmhütte, setzte sich daselbst auf die alte Holzbank und weinte bittere Thränen.

Ein Mädchenherz bleibt immer ein Mädchenherz, mag es nun in der Brust einer zarten Salondame oder eines einfachen Bauernmädels schlagen, es fühlt unter dem schlichten Mieder ebenso innig und tief wie unter dem schillernden Seidengewand; die Augen, die jedem Wind und Sonnenschein ausgesetzt sind, können ebenso herzlich und bitterlich weinen, wie die hinter dem blumigen Sonnenschirm von Wind und Wetter geschützten. – Hier war es nun, wo Vater Orthmann sein Kind oftmals überraschte, wo er einen tiefen Einblick gewann in ihr Leid und ihr Weh und ihr immer wieder sein väterliches Versprechen erneuerte, sie nie und nimmer zu einer Heirath zu zwingen.

So waren nun mehrere Jahre dahingegangen. Schön Ammi ward älter und älter und dachte doch nicht daran, irgend einen neu aufgetauchten Freiersmann mit günstigeren Blicken anzusehen, als den vor ihm dagewesenen. – So kam es denn auch bald, daß sie – zumal sie das so genannte „Spielengehen“, d. h. Besuche abstatten, sorgfältig mied und nur mit sehr wenigen Frauen und Mädchen ihres Alters Umgang pflegte – in den Ruf einer stolzen, hochfahrenden Dirne gerieth, und der ihrem ganzen Wesen anhaftende tiefe Ernst als hochmüthige Gleichgültigkeit gegen Ihresgleichen angesehen wurde. Das focht sie aber wenig an, sie hörte kaum etwas davon, ihr Leben verlief im altem ruhigen Geleise. „Und kommt der Hannmichel nit wieder“, hatte sie zu ihrem Vater gesagt, „und ich kann sein Weib nit werden, so bleib ich ledig bis an meinen Tod und will keinen Andern haben!“ Da gab es nun wohl wenig Hoffnung, denn vom Hannmichel hatte inzwischen kein Mensch etwas gehört, er galt für todt oder verschollen, der alte Orthmann aber bemittleidtet aus tiefstem Herzensgrund die unglückliche und hoffnungslose Leidenschaft seines geliebten Kindes.

Der 15. August des Jahres 1788 war inzwischen angebrochen. Das war für Schön-Ammi von jeher ein rechter Feiertag gewesen; da dachte sie, wenn die Gemeinde in öffentlichem Gottesdienste noch jetzt ihren Dank abstattete für die wunderbare Errettung der Ihrigen, die der Herr ihnen vor zwölf Jahren geschenkt, da hatte sie immer so herzlich für den Hannmichel zum lieben Gott gebetet, daß er ihn, so er noch leben sollte, doch möchte heimgeleiten in sein väterlich Dorf und Haus. Auch heut‘ hatte sie wieder im Gotteshause so recht innig gebetet und geweint und war dann in Gesellschaft ihres Vaters nach Hause zurückgekehrt. Noch war sie immer „Schön Ammi von Marienthal“, noch prangte sie in voller Jugendblüthe, die Anmuth gewann nur durch die Traurigkeit. – Da trat ein Gast auf im Hause des alten Orthmann. – Es war der Sohn eines wohlhabenden Marienthaler Bauern, der mit „Schön Ammi“ im gleichen Alter stand. Er war auch einer der Gefangenen gewesen an jenem

entsetzlichen Tage, war damals auch befreit worden und seinen Eltern wiedergebracht. Der Heinrich Peter hatte auch den Hannmichel in jener Nacht an der Metschetnaja noch gesprochen und von ihm gehört, daß es ihn mehr, als seine Wunden schmerze, von der kleinen Ammi getrennt zu sein, - das hatte der Heinrich Peter der Ammi wiedererzählt und sie war ihm immer recht gut gewesen. Er wußte auch, wie lieb sie den Hannmichel habe, darum hatte er auch immer noch gewartet und gewartet, ob derselbe nicht endlich einmal wiederkäme, - es schien aber ein vergeblich Warten zu sein und da trat er denn am 15. August 1788 in Orthmann’s Haus und sprach zu ihm und zu seinem Mädchen, daß er sie sehr lieb habe und zur Frau haben möchte‘, wenn anders sie ihn haben wollt‘, - und der Hannmichel käm‘ doch nicht wieder und er sei sein guten Freund gewesen.

Dem alten Orthmann war’s schon recht, aber kopfschüttelnd sah er darauf die Ammi an, vermeinend, sie werde mit ihrem Nein sogleich zur Hand sein. Die Ammi aber blickte den Heinrich Peter freundlich an und sprach zu ihm, sie wolle auch nichts dagegen haben, er möchte sich nur bis zum Abend gedulden, da wolle sie ihm ihren ganzen Willen sagen; - es sei ihr so, als habe eine innere Stimme ihr heut‘ im Gotteshause zugeflüstert, der Hannmichel müßte heut‘ kommen, und käm‘ er heut nicht, so käm‘ er nie, so wolle sie denn noch bis zum Abend warten, und käm‘ er bis dann nicht, so werde sie ihm, dem Heinrich Peter, als einem ehrlichen braven Burschen ihr Ja nicht vorenthalten und dem alten Vater einen guten Sohn in’s Haus bringen. – Der alte Orthmann wußte selbst nicht, wie ihm geschah, und auch der Freiersmann hatte nichts gegen des Mädchens Wunsch einzuwenden, denn eher, meint‘ er, könnte der Himmel einstürzen, als daß der Hannmichel wiederkäm‘. – Schön-Ammi aber entfernte sich in des Peterhannes Häuschen, um da selbst zu beten und zu weinen.

III

Wenden wir uns vom freundlichen Karaman ab und streifen weit, weithin über die unendliche Steppe bis zum rauhen, röhrichten Ufer des Jaik. Auf einem einsamen Hügel steht eine große Zahl von größeren oder kleineren Zelten, zwischen denen halbnackte Kinder in großer Menge schreiend und lärmend sich herumtummeln. Vor dem größten Zelte, an dessen Stangen mehrere schwer beladene Kamele angebunden sind, lagern auf bunten Decken kleine, stämmige, wild aussehende Männer; das Feuer flammt daneben lustig empor unter einem mächtigen, brodelnden Feldkessel, aus welchem von Zeit zu Zeit große Stücke gekochten Pferdefleisches den daselbst Lagernden vorgelegt werden.

Hölzerne, runde Schüsseln, mit säuerlichem Kumüß angefüllt, machen fleißig die Runde, ein jeder Mann muß wacker Bescheid thun, wenn er den Unterchan, den Häuptling dieser Hordenabtheilung, an seinem Ehrentage nicht tödtlich beleidigen will; feiert derselbe ja doch das Hochzeitfest seiner liebsten Tochter, die er soeben um den Preis der an das Zelt gebundenen schönen Kamele und der ihnen aufgeladenen Thierfelle einem benachbarten, befreundeten Kirgiesenhäuptling zum Weibe überlassen hat; die Gesandten jenes Häuptlings lagern jetzt neben ihm zum fröhlichen Hochzeitsmahle und sollen zur frühen Stunde, sobald der Morgen graut, die junge Herrin ihrem Eheherrn zuführen. Das berauschende Getränk hatte seine Wirkung nicht verfehlt, ein betäubendes Gebrüll und rohes, wildes Gelächter ließ sich weithin hören und schon lag mancher Kirgise am Boden, seiner Sinne nicht mehr mächtig. – Der Mond stand bereits hoch am Himmel, - Mitternacht rückte heran, und gleichsam strafend blickte das sanfte Himmelslicht auf die rohe Scene, von Zeit zu Zeit das strahlende Angesicht mit einem leichten Wölkchen verhüllend. – Auf einem zweitel Hügel am Ufer des röhrichten Jaik saß ein vereinsamter Mann, den Kopf trüb in die Hände gestützt, in düstre Gedanken

versunken. Ringsum lagerte teils oder stand auf thauigem Grase eine unübersehbare Menge von Pferden, die Tabune der Kirgiesenabtheilung, welche jener einsame Mann zu hüten verpflichtet war. Nichts war ringsum zu hören, als der wüste Lärm von den Zelten her und das Rascheln des frischen Nachtwindes im Schilfrohr des tiefen Jaik. Horch, da nahen leichte Schritte durch das wogende Riedgras der Steppe, eine feine, zarte Gestalt, in einen langen, bunten, dichten Schleier gehüllt, eilt den Hügel hinan, bleibt neben dem düstren Manne stehen und weckt ihn mit leichtem Schlage auf die Schulter aus seinen wirren Träumen. „Was schaust Du so trüb, Du Sohn der Fremde“, spricht sie zu ihm mit sanfter Freundlichkeit, „sag‘ an, wo weilen Deine Gedanken, wo steht es hin, Dein Wünschen und Dein Sehnen? Warum findet man Dich nicht im fröhlichen Kreise der feiernden Männer, was habe ich Dir zu Leide gethan, daß Du meinen Ehrentag so gering achtest und willst Dich nicht mitfreuen an meinem Fest? Auch Dir ist eine Schüssel gefertigt und ein Teppich gebreitet: Du aber fliehst mich und mein Fest, - sag‘ an, Du sonderbarer Mann, ist Dir Deine junge Herrin nicht so lieb, als Deine wilden ungebändigten Pferde?“ – Was höhnst Du mich so grausam, Gebieterin“, entgegnete der Mann in ihrer Sprache, jedoch mit fremdartigem Accent, „was spottest Du meines Leides? Soll ich mich freuen und fröhlich sein und bin doch so weit von der Heimath und von dem Hause des Vaters und habe keine Hoffnung, je wieder dorthin zu gelangen! Du willst Dich einem Manne zuführen lassen, den Du lieb hast, - da weißt Du wohl auch, wie es mir um’s Herz sein muß, wenn ich des Mägdleins in meinem Lande gedenke, das ich als Knabe schon geliebt habe herzinniglich! Sie war noch klein damals, Herrin, aber schön war sie und gut, und jetzt muß sie sein wie Du, - nein noch viel schöner als Du – und wenn ich nun Dein gedenke und Deines fröhlichen Hochzeitfestes, dann schweifen meine Gedanken weit, weithin über die Steppe – da könnte vielleicht auch jetzt eine fröhliche Hochzeit am lieblichen Karaman gefeiert werden und sie würde das Weib eines Andern, - das thut mir sehr, sehr wehe, und darum zürne nicht, Gebieterin, daß ich zu dieser Stunde lieber hier bin, als dort beim fröhlichen Feste; der Traurige liebt nicht die Fröhlichen, er paßt nicht zu ihnen und sie nicht zu ihm. – Dein aber, Du gütige Herrin, Dein will ich stets mit herzlichen Liebe und Dankbarkeit gedenken, Dein Gott geleite Dich allerwege und vergelte Dir Alles, was Du an mir, dem armen Gefangenen, gethan!“

Bei diesen Worten ergriff der Mann den Saum ihres Schleiers und küßte ihn mit tiefer Rührung, sie aber ließ sich neben ihm nieder auf des Hügels Sand und sprach: „Du bist eine gute, treue Seele, mein Bruder und ich möchte Dir gern helfen, so viel ich könnte. Warum nimmst Du Dir nicht den kräftigen Schimmel und den flinken schnellfüßigen Fuchs aus meines Vaters Tabune und machst Dich auf in Dein Heimathland, wenn Niemand auf Dicg achtet?“ – „Herrin, wozu räthst Du mir“, entgegnete der Mann, „soll ich zum Diebe werden? Meine Eltern haben mich solches nicht gelehrt!“ „Du wirst kein Dieb“, war ihre Antwort, „ was meines Vaters ist, das ist mein, und ich schenke Dir diese zwei Pferde, nimm sie und Allah geleite Dich in Deines Vaters Land!“ - „Aber wohin soll ich reiten?“, fragte ängstlich gespannt der Mann, „ich kam als Knabe hierher und weiß nicht, nach welcher Richtung des Himmels das große Wasser zu finden ist, in dessen Nähe mein Vater sein Haus erbaute. Ich werde des Todes sterben auf weiter Steppe!“ „Sorge nicht, Du Ärmster“, tröstete die Maid, „der Gott meiner Väter wird Dich führen. Siehst Du jenen lichten Stern am abendlichen Himmel? Dem reite nach und halte Dich weder rechts noch links, so kommst Du an das große Wasser und an die blauen Berge; - ich habe oft zugehorcht, wenn im Zelte meines Vaters

gesprochen ward von Deinem Land und Deines Landes Richtung. – Dem Sterne mußt Du folgen, der führt Dich nach Haus! Du könntest aber unterwegs ein Opfer des Hungers und des Durstes werden, darum harre hier noch einige Zeit aus, ich sende Dir etliche Stücke Fleisch aus dem Kessel und einen Schlauch Wassers zu, die hebe sorgfältig auf und nimm sie mit Dir, damit Du unterwegs nicht verderbest. – Nun aber leb‘ wohl! Ich muß in mein Zelt, um mich zur Abreise zu schicken, Du aber zögere auch nicht, fange die bezeichneten Pferde und nimm den Vorrath, - der Schimmel bringt Dich über den Jaik; noch diese Nacht mußt Du es thun, denn Niemand wacht jetzt, die Augen der Männer sind umnebelt und voll Schlafes!“ Mit diesen Worten erhob sich die Kirgiesenbraut, hauchte dem deutschen Jungen einen Kuß auf die Stirn und war im nächsten Augenblick verschwunden. – Auch der Mann erhob sich, sein Herz pochte ungestüm vor banger Hoffnung und zugleich vor Furcht, - das Unternehmen schien ihm gar zu gefährlich, der Zuspruch des zarten Mägdleins hatte ihn aber doch zu sehr aufgerichtet, gar zu liebliche Bilder ihm vorgezaubert: er ergriff seine Fangleine und war bald im Gewimmel der Pferde verschwunden. Mit großer Mühe gelang es ihm, die beiden herrlichen Thiere einzufangen und vorsichtig kehrte er mit denselben zu dem Hügel zurück. Fleisch und Wasser lagen dort schon bereit, von unsichtbaren Händen besorgt, er wickelte die Vorräthe in seinen Teppich und band sie dem schönen Fuchs auf den Sattel, selbst aber bestieg er den Schimmel und trieb ihn vorsichtig in die Fluten des Jaik. Schon sah er das andere Ufer vor sich auftauchen, denn in großer Schnelligkeit durchschnitt das herrliche Thier die Wellen, - als etliche halbtrunkene Kirgisen von den Zelten her im lichten Mondscheine den Flüchtling auf der beleuchteten Wasserfläche bemerkten. Mit fürchterlichem Geheul rannten sie an den S. 27 Fluß, um ihm nachzusetzen, - einem von ihnen gelang es auch, eines Pferdes habhaft zu werden und, mit scharfer Lanze bewaffnet, sich auf demselben in das Gewässer zu stürzen. Bereits war er auf der Mitte des Flusses, die scharfe Waffe wiegte er in geübter Faust, um den in geringer Entfernung vor ihm soeben an’s Ufer gelangten Fremdling damit zu treffen: da schwirrte ein beflügelter Pfeil durch die Nachtluft, mit klagendem Schmerzenslaut sank der Wilde zurück in den Sattel, taumelte noch ein paar Mal nach rechts und nach links – und die Wellen nahmen ihr Opfer auf – ohne Reiter kehrte das Pferd an’s Ufer zurück. Es war die zweite Gabe, die der Fremdling empfing aus den auch in den Waffen geübten Händen der Kirgiesenbraut, erst die Freiheit und dann das Leben.

Fluchend und schreiend kehrten die übrigen Kirgisen zu ihrem Mahl zurück, sprachen der Trinkschüssel fleißig zu und bald war Alles im tiefsten Schlaf begraben. – Der Entronnene aber setzte im scharfen Trabe seinen Weg fort, immer dem hellen abendlichen Sterne entgegen, und als der Morgen kam, verbarg er sich und seine edlen Thiere in einer tiefen Steppenschlucht. Dort ruhte er ein wenig aus, erquickte sich selbst durch Speise und Trank, ließ die Pferde grasen und nahm dann, als es Abend geworden war, seinen Weg wieder auf, nach dem schönen Stern, als seinem himmlischen Wegweiser, unverwandt ausschauend. – So ging’s rastlos fort über das weite Steppenmeer, bis er schon halb zu Tode ermüdet, am Morgen des achten Tages endlich die blauen Wolgaberge vor sich liegen sah. Da stieg der gerettete Mann vom Pferde und brachte dem Gott seiner Väter herzinnigen Dank für seinen gütigen Beistand auf so weitem gefährlichen Wege. Einige Stunden später befand er sich bereits in einer deutschen Kolonie, erfragte den Weg nach dem heimatlichen Marienthal und ritt, als eben die Sonne sich zum Untergange neigte in die ihm nur zu bekannten Gassen ein, das Auge voll heller Freudesthränen. – Von allen Seiten staunte man den sonnverbrannten

Mann in der fremdartigen Kleidung auf dem schönen Pferde verwundert an, ließ ihn aber, als man deutsche Laute von seinem Munde vernahm, ungehindert passieren.

So ritt er dann bis an den Karamanberg zu seines Vaters kleinen Hütte; noch wähnte er ihn am Leben zu finden. – Unterwegs hörte er die Kirchenglocken läuten und ein hochheiliges Gefühl überkam ihn, als ihm auf seine Frage, was den heut für ein Feiertag sei, ein Mann antwortete: „Das Fest der Himmelfahrt Maria!“ Was für Erinnerungen knüpften sich nicht an diesen Tag! Die blutigen Erlebnisse vor gerade 12 Jahren, die Nacht an der Metschetnaja, der Kampf der Kirgisen mit den russischen Truppen, - wie er dann auf der Flucht von den Kirgisen mit fortgerissen und in ihr Land geschleift ward, zwölf Jahre bitterer Knechtschaft und harten Dienstes, die liebliche Kirgiesenbraut und seine wunderbare Erlösung – das waren lauter Erinnerungen, deren jede eine ganze Welt umfaßte; - hier war ein Mensch, der davon reden konnte, was für eine lange, lange Zeit doch 12 Jahre sind in einem Erdenleben! Unter solchen hehren Gedanken kam er an seines Vaters Häuschens an; halb träumend stieg er vom Pferde und band die beiden schönen Thiere an einen dicken Zweig, des uns schon mehrfach bekannten Eichenbaumes, trat dann ins niedrige Gemach, um den alten Vater zu begrüßen. – Schön Ammi saß auf harter Holzbank und war in tiefe Gedanken versunken.

Der schwere Tritt des Ankömmlings scheuchte sie auf, verwundert starte sie den halbverwilderten Fremdling an, aber – das Auge der Liebe sieht scharf und eine Ahnung, daß er heut kommen müsse, hatte sie schon früher beschlichen: mit einem Schrei unaussprechlicher Freude, mit dem Rufe: „Hannmichel, bist Du’s in der That?“ lag sie an seiner Brust. Inzwischen war auch der alte Orthmann herbeigekommen; da gab’s ein Umarmen und Freuen, da gab’s ein Kosen und Küssen, da gab’s helle Freudenthränen, aus tiefstem Herzen geweint, da gab’s aber auch ein Leben des Herren, des mächtigen Königs der Ehre! Bald war das ganze Dorf am Karamanufer versammelt und nun mußte der Hannmichel Befreiung, und manche Beileidsthräne rollte während der schlichten, in erzählen von A bis Z die ganze Geschichte seiner Leiden und seiner recht unbeholfenem, mit kirgisischen Wörten vermischtem Deutsch vorgetragenen Erzählung den alten Marienthaler Männern über die gefurchten Wangen.

Dem Heinrich Peter aber sagte der alte Orthmann zum Abschiede, er solle sich nur nicht grämen, daß die Ammi sein Weib nicht werden könnt‘, dafür solle er aber ihr Brautführer werden, und das schönste Band sollte ihm an den Hut gesteckt werden, und den schönen mitgebrachten kirgisischen Schimmel des Hannmichel solle er dabei reiten, Heinrich Peter mußte schon gute Mine machen zum bösen Spiel, mußte sich auch später den andern Burschen gegenüber damit zu trösten, er habe die Schön-Ammi doch beinahe bekommen, während sie doch den andern Freiern geradezu einen großen schweren Korb ertheilt habe. – Um’s Jahr hielt er Hochzeit und bewies damit, daß er es nicht für nöthig erachtet habe, sich der Ammi wegen allzuviel grauer Haare wachsen zu lassen.

Noch in demselben Jahre wurden Hannmichel und Schön-Ammi ein glückliches Paar. In Noth und Trübsal gereift, war ihre ehliche Liebe auch eine recht probehaltige und hat sich mancher Mann und manche Frau ein heilsamm Beispiel an ihnen genommen. Der Hannmichel aber durch Standhaftigkeit im Leiden, durch Muth in Gefahr bewährt, ward von Stund‘ seiner Ankunft an männiglich der „Kergiesermichel“ genannt.

ENDE
Антон Шнайдер книга Мариенталь Anton Schneider Mariental
ИСТОРИЯ «КИРГИЗА» МИХАИЛА И КРАСАВИЦЫ АМИ ИЗ МАРИЕНТАЛЯ (окончание)

Впервые переведено на русский язык – Антониной Шнайдер-Стремяковой

Впервые переписано с готического – Константином Эрлихом

II

Ами Ортман превратилась в красивую девушку. Через пять лет о ней заговорили далеко за пределами села. Все знали, что Ортман мог бы давно выдать замуж дочь, но красавица Ами отказывала всем женихам. Они были не только из Мариенталя, но и из соседних и более дальних колоний: Шульца, Шёфера, Герцога, Графа и Луй; лучшие и бравые женихи приезжали также из богатого людьми Катаринштадта; сваты просились в дом старого Ортмана, чтобы взглянуть на «красивую переспевшую телушку». Старый Ортман усмехался, строил радужные планы, но своим решительным «нет» красавица Ами всякий раз перечёркивала все воздушные планы отца, опрокидывала их с ног на голову. Воспоминания о юных днях не покидали её душу. Ханмихель постоянно стоял перед глазами: то он мужественно оборонялся от бесчеловечных дикарей, то его утаскивали – окровавленного, избитого, возможно, даже мёртвого. Она никого не могла полюбить – из всех парней он был самым бравым. Она снова и снова с болью и печалью тепло вспомнила друга юности, и снова объявляла любимому отцу, что не согласна на замужество. Ами удалялась в саманную хижину умершего Петерханнеса, садилась на старую деревянную скамью и плакала горькими слезами.

Девичье сердце всегда остаётся девичьим – не важно, это сердце салонной дамы или сердце простой крестьянской девушки. Под простым лифом это сердце чувствует так же глубоко и нежно, как и под сверкающим в блёстках халате. Как от непогоды и ветров могут быть защищены под цветным зонтиком глаза, так могут плакать глаза, подверженные ветрам и яркому солнцу. Отец Ортман, случалось, часто удивлял свою дочь. Он глубоко понимал её боль и горе и потому решил изменить свою тактику – к замужеству её больше не склонять.

Так прошло несколько лет. Красавица Ами становилась всё старше, но о том, что может всплыть свободный мужчина с более прекрасными глазами, чем те, которые она знала, не думала. Всё её существо было проникнуто искренностью. Общаясь с несколькими женщинами и девушками, она избегала визиты, но однажды случилось так, что она приняла участие в так называемой «игре», после чего обрела репутацию гордой, надменной блудницы, безразличной к сверстникам. Но её это не трогало, она не прислушивалась к сплетням – жизнь протекала в тихом и спокойном однообразии.

- Ханмихель не вернётся, а другого мне не надо, – сказала она отцу. – Стать женой мне не суждено, суждено умереть девственницей.

Вероятность, что Ханмихель вернётся, была мала: о нём никто ничего не слышал. Он числился мёртвым или без вести пропавшим, и сердце старого Ортмана пребывало в глубокой печали от несчастной и безнадёжной любви любимой дочери.

День 15 августа 1788 года изменил между тем жизнь красавицы Ами – он стал для неё праздником. Когда во время богослужений церковь возносила благодарность за чудесное спасене тех, кому 12 лет назад Бог даровал жизнь, она всегда просила о Ханмихеле, чтобы Бог вернул его в отчий дом, если он всё ещё жив. Вот и сегодня она снова усердно молилась. Поплакала и вернулась в общество отца. Она всё ещё оставалась «красавицей из Мариенталя», всё ещё цвела юной красотой – печаль придавала ей лишь благородства.

В дом старого Ормана вошёл однажды гость. Сын богатого Мариентальского крестьянина, он с красавицей Ами был одного возраста и из числа тех пленных, которых в тот ужасный день освободили и доставили в село. В ту ночь у реки Мечетной Гейнрих Пётр разговаривал с Ханмихелем, который сказал, что боль от разлуки с маленькой Ами сильнее, чем раны. За это известие Ами была ему очень признательна. Гейнрих Пётр знал, как она любит Ханмихеля, поэтому ждал, когда же, наконец, тот вернётся. Видя бесплодное ожидание, он 15 августа 1788 года ступил в дом Ортмана, чтобы просить у него в жёны его девочку, которую очень любит, – Ханмихель был его добрым другом, но он же не возвращается!.. Ортману пришлось это по душе, но, чтобы опередить не под руку сказанное «нет», взглянул на Ами и покачал головой. Ами, однако, благосклонно взглянула на Гейнриха Петра и сказала, что против него ничего не имеет, но, прежде чем объявить ему о своей воле, хотела бы подождать до вечера.

В церкви у неё было ощущение, будто кто-то шептал, что сегодня должен явиться Ханмихель. И если он не явится сегодня, он не явится никогда, а потому хотела подождать до вечера. Если он не объявится, она бравому Петру Гейнриху не скажет своего «нет», и старый отец получит в дом сына. Старик Ортман не знал, как ему быть. Против желания девушки ничего не имел и жених: - Скорее обрушится небо, нежели вернётся Ханмихель.

Красавица Ами удалилась в домик Петерханнса, чтобы помолиться и поплакать.

III

Покинем дружественный нам Караман и вернёмся в бесконечные степи, к суровым тростниковым берегам реки Яик. На одиноком холме – множество маленьких палаток, среди которых шумело, прыгало и кричало множество полуголых детей. У самой большой палатки, перед которой к столбикам было привязано несколько тяжело навьюченных верблюдов, лагерем на пёстрых одеялах расположились маленькие, похожие на дикарей мужчины. Под огромными котлами с бурлящим в них содержимым весело бушевал огонь. Из котлов время от времени вынимались куски варёной конины. Деревянные пиалы с кисловатым кумысом наполняли энергией круглых мужчин, каждый из которых был способен принимать смелое решение, если не хотел, чтоб его славные дни не были смертельно омрачены. Главный из них праздновал свадьбу своей любимой дочери, цена которой была обозначена привязанными к столбу верблюдами и навьюченными шкурами животных. Предводитель дружественного соседнего племени брал её себе в жёны. Курьеры этого предводителя собрались, чтобы разделить с ним радостное событие и ранним утром, когда едва наметится рассвет, привести юную госпожу своему господину. Опьяняющие напитки имели эффект: бешеные крики и громкий дикий смех разносился далеко вокруг, многие лежали без чувств.

Луна ещё не сошла, надвигалась глубокая ночь, небесный свет укоризненно следил за картиной, при взгляде на которую лёгкие облака хмурились время от времени.

На втором холме, в тростниковых зарослях Яика, сидел погружённый в мрачные мысли одинокий мужчина, заключив голову в ладони. Вокруг него на влажной траве стояло и паслось бессчётное количество лошадей. Ответственность за табун лежала на нём. Вокруг него ничего, кроме глубокого Яика да шума от палаток и шелеста камышей от свежего ночного ветра.

Но… прислушайтесь: в богатой осокой степи слышны шаги. Изящная тонкая фигура в длинной, пёстрой и тонкой фате спешит к холму, останавливается рядом с хмурым человеком и лёгким ударом по плечу нарушает его мечтания.

- Что так хмуро смотришь, сын чужестранцев? – заговорила она с нежностью. – Скажи, где твои мысли? Где желания? Почему тебя нет среди праздных мужчин? Что я такого сделала, что не хочешь принять участия в моём празднике в мой особенный день? Чашка и коврик приготовлены и для тебя, но ты избегаешь меня и мой праздник. Скажи, странный человек, неужели твоя юная господа не милее диких неприрученных лошадей?

- Зачем ты, госпожа, держишь меня? Это бесчеловечно издеваться над моими страданиями! – сказал мужчина с иностранным акцентом. Я должен веселиться и быть весёлым вдали от родины, от дома своего отца, у меня нет надежды вновь туда попасть! Ты ждёшь, когда тебя уведут к мужчине, которого любишь. А знаешь ли, что у меня на сердце, когда я думаю о девушке, которую сердечно полюбил ещё мальчиком! Она, госпожа, была тогда ещё маленькой, но уже красивой и доброй, и сейчас она такая, как ты. Нет, гораздо лучше тебя, и когда я думаю о твоём радостном свадебном торжестве, мои мысли блуждают далеко-далеко по степям – возможно, и на моём милом Карамане гуляла бы счастливая свадьба, но это была бы другая женщина, мне от этого очень-очень больно. Не злись, милая, что в этот час мне лучше быть здесь, чем на радостном празднике. Печальный человек не любит весёлых, он не подходит им, а они – ему. Но о тебе, милая госпожа, я хочу думать с любовью и благодарностью. Твой Бог открывает тебе все пути и награждает тебя за всё, что ты для меня, бедного пленного, сделала.

При этих словах мужчина притронулся к краю её фаты и поцеловал её с глубоким чувством. Она опустилась рядом, на песок холма, и сказала:

- Ты очень хороший и верный друг, и я хотела бы тебе помочь, насколько это в моих силах. Отчего не возьмёшь из табуна моего отца сильного Шиммеля и быстроногого резвого Фукса и не отправишься на родину, если за тобою никто не следит?

- Госпожа, о чём ты говоришь? – ответил мужчина – Я что, должен стать вором? Мои родители не учили меня этому.

- Ты не вор, – ответила она, – то, что принадлежит моему отцу, то принадлежит и мне, и я дарю тебе этих двух коней. Возьми их и с помощью Аллаха отправляйся на свою родину.

- Но в какую сторону должен я скакать? – недоверчиво спросил мужчина. – Я мальчиком прибыл сюда и не знаю, в каком направлении небо над большой водой, вблизи которой мой отец построил дом. Я помру в далёкой степи.

- Не бойся, несчастный, – успокоила дева. – Путь тебе укажет Бог моего отца. Видишь яркую звезду на вечернем небе? Скачи прямо на неё и не сворачивай ни налево, ни направо. И ты придёшь к большой воде и к голубым берегам. Я часто прислушивалась, когда в палатке моего отца говорили о твоей земле и направлении, где она находится. Ты должен следовать звезде, она приведёт тебя к твоему дому. Но в дороге ты можешь стать жертвой голода и жажды, поэтому потерпи ещё какое-то время, я приготовлю тебе несколько кусков мяса из котла и запас воды. Возьми их с собой, но смотри, чтобы в дороге они не испортились. Ну, а теперь прощай. Мне пора в мой шатёр, из которого меня попросили выйти. А ты не колебайся, поймай названных мною лошадей и прихвати запас. Шиммель переплывёт Яик. Ты должен решиться уже в эту ночь, так как на вахте никого нет и сонные глаза мужчин отуманены.

После этих слов киргизская невеста поднялась и почти мгновенно скрылась, оставив на лбу немецкого юноши поцелуй. Юноша тоже поднялся. Его сердце учащённо билось одновременно и от страха, и от надежды. Дело казалось совсем не опасным, но колдовское напутствие нежной девы беспокоило – рисовало милые картины… Он затерялся среди лошадей, с усилием выловил двух и с предосторожностями отправился назад, к холму, где ждали мясо и вода, приготовленные незримыми руками. Завернув в ковёр узелок, он привязал его к седлу прекрасного Фукса, вскочил на Шиммеля и погнал его к водам Яика. Пред ним представал другой уже берег. Великолепное животное преодолевало волны с огромной скоростью, когда у шатра несколько полупьяных киргизов заметили беглеца на мерцающей при лунном свете воде. Со страшным воем бросились они к реке, чтобы его догнать. Один из них вооружился копьём, вскочил на верховую лошадь и бросился к воде.

Он был уже на середине реки, взвешивал в натренированной руке острое оружие, чтобы с небольшого расстояния достойно встретить иноземца на берегу. Но… летящая стрела прорезала ночной воздух. Стонущий дикарь опустился от боли в седло, качнулся несколько раз, и волны поглотили храбрую жертву. Лошадь без всадника вернулась на берег. Другим подарком, который получил иноземец в качестве оружия из натренированных рук киргизской невесты, была, конечно же, свобода, а, значит, и жизнь.

Матерно ругаясь и крича, оставшиеся киргизы вернулись к оставленным чашкам, и происшествие было вскоре погребено в глубоком сне. А беглец быстрой рысью продолжил свой путь навстречу вечерней звезде, а когда наступило утро, он и его благородные животные скрылись в каньоне далёких степей. Там он отдохнул, подкрепился, дал лошадям возможность пощипать зелёной травы, а вечером отправился вновь в дорогу навстречу стабильному небесному указателю – звезде. Так он, до смерти уставший, двигался неудержимо по бескрайнему степному морю, пока, наконец, утром, на восьмые сутки, пред ним не предстали берега голубой Волги. Спасённый слез с лошади и поблагодарил Господа за любезное содействие на опасном и нелёгком пути. Часом позже он был уже у немецких колоний, интересуясь дорогой в родную и дорогую колонию Мариенталь. Солнце клонилось к закату. Едва он заметил знакомую улицу, в глазах появились слёзы радости. На загоревшего мужчину в странном платье при красивых лошадях все смотрели удивлённо. Но, когда он открыл рот и из него раздалась немецкая речь, перед ним беспрепятственно расступились.

Он поскакал к хижине отца, что стояла на берегу реки, плача, что остался жив. В дороге его застал звон колокола. На вопрос, что сегодня за праздник, мужчина ответил: «Вознесение святой Марии», и его тело пронзило воспоминание. Чего он только не вспомнил в этот день! Кровавая 12-летняя давность предстала перед глазами: ночь на Мечетной, бой, бегство киргизов и как его утащили в киргизские края, затем плен, горькое 12-летнее пастушество, любовь киргизской невесты и чудесное спасение. Он стал мужчиной, который имел право говорить о том, что значат длинных-предлинных 12 лет человеческой жизни! С высокими мыслями и чувствами подошёл он к домику отца, в полусне слез с лошади, привязал прекрасных животных к толстой ветке хорошо знакомого нам дуба, вступил в низкие покои, чтобы приветствовать старого отца.

На жёсткой скамье, погружённая в глубокие думы, сидела красавица Ами. От тяжёлой поступи вошедшего она вздрогнула, испуганно вскочила, взглянула на полудикого незнакомца, но –взгляд любви, быстрый и сообразительный, всё понял. В ней и ранее тлела надежда, что он должен сегодня прийти. С невыразимо радостным возгласом: «Ханмихель, это ты?» – она бросилась ему на грудь.

В эту минуту вошёл старый Ортман. Последовали поцелуи, ласки и объятия, светлые слёзы радости, шедшие из глубины сердца, после чего началась жизнь Господина, короля великого Духа. Вся деревня собралась на берегу Карамана, и Ханмихель должен был от «А» до «Я» рассказать историю своей жизни и своего освобождения. По щекам многих мужчин Мариенталя катились слёзы сочувствия от того, что, когда не хватало немецких слов, рассказчик пользовался киргизскими словами.

Петру Хейнриху старый Ортман на прощание сказал, что он не должен расстраиваться, что Ами не может стать его женой, – он может стать шафером, но на его шляпе должна быть самая красивая лента, и прискакать он должен на прекраснейшем киргизском Шиммеле Ханмихеля. Пётр Хейнрих был вынужден изобразить добрую мину при плохой игре, но, не в пример другим парням, утешился, что имел возможность наблюдать красавицу Ами вблизи. Это было лучше, чем получить «корзину» в качестве несостоявшегося жениха. Он женился в течение года, признав тем самым, что имел неосторожность прибавить красавице Ами седых волос.

В этот же год красивую пару образовали Ханмихель и красавица Ами. Их любовь, преданность и верность друг другу стали образцом для подражания для многих женщин и мужчин, а возрождённый Ханмихель за стойкость в страданиях, за риск и мужество получил в селе прозвище „Kirgiesenmichel “.

 

Антон Шнайдер книга Мариенталь Anton Schneider Mariental
Антон Шнайдер книга Мариенталь Anton Schneider Mariental

 

 

КОНЕЦ
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